Verlorenes Geld.
Inflation und Finanzkrise gestern und heute
Die eindrucksvoll bestückte Exposition ordnet die aktuelle Krise als derzeitigen Endpunkt einer langen Geschichte von Turbulenzen der Geldwirtschaft ein und dokumentiert deren vielfältige Erscheinungsformen anhand verschiedener Illustrationen, umfassender Erläuterungen und zahlreicher Originalstücke. Zu sehen sind unter anderem römische Münzen, erste Banknoten aus dem 18. Jahrhundert wie die sogenannten Assignaten, die auch als Inflationsgeld in die Geschichte der Französischen Revolution eingingen, verfallene Wertpapiere aus dem 19. Jahrhundert sowie aktuelle Inflationsgeldscheine beispielsweise aus Simbabwe.
Ein erster Schwerpunkt der Ausstellung sind Finanzkrisen im Altertum. In dieser Epoche lassen sich bereits Münzverschlechterungen nachweisen, z. B. verringerte sich der Feingehalt der Silberprägungen. Dies war häufig mit inflationären Erscheinungen verbunden – auch im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit, etwa in der Kipper- und Wipperzeit zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges.
Mit dem Aufkommen von Banknoten als offizielles Zahlungsmittel begann in Europa Ende des 18. Jahrhunderts die Geschichte der modernen Inflation, die in Form von Millionen- und Billionen-Mark-Scheinen während der deutschen Hyperinflation von 1923 am nachdrücklichsten in Erinnerung geblieben ist.
Inflationen waren nicht die einzigen historischen Finanzkrisen. Schon im frühen 18. Jahrhundert gab es Spekulationsblasen: Übersee-Handelsgesellschaften hatten ihren Aktionären märchenhafte Gewinne versprochen, die sich als Fata Morgana herausstellten.
Mit der Industrialisierung und dem Entstehen einer freien Marktwirtschaft im 19. Jahrhundert häuften sich solche Erscheinungen, und sie hatten nun nicht selten weitreichende Folgen. Der Gründerkrach von 1873 mündete in eine langjährige Rezession. 1929 brachte der sog. „Schwarze Freitag“ an der New Yorker Börse eine Spekulationsblase zum Platzen und breitete sich rasch zu einer Weltwirtschaftskrise aus. Fotos und andere Illustrationen aus dieser Zeit veranschaulichen die Krisenanfälligkeit einer global vernetzten Wirtschaft, welche in ihrer Erschütterung und Dynamik mit der heutigen zu vergleichen ist.
Bereichert wird die Ausstellung durch Bilder, Plastiken, Objekte und Medaillen zeitgenössischer Künstler, die in ihren Werken das Thema Geld mit seinen vielen Facetten auf subjektive Weise reflektieren.