Begegnungen
Zwölf ausgewählten Hauptwerken der Gemäldegalerie Alte Meister werden Exponate aus den Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen zugeordnet. So wird eine einzigartige und überraschende „Begegnung“ von Hauptwerken unterschiedlicher Kulturen möglich, wie sie in Dresden und weit darüber hinaus bisher noch nicht stattgefunden hat.
Unter thematischen Gesichtspunkten wie „Insignien der Macht“, „Schmerz“ oder „Auf der Suche nach dem wahren Menschen“ werden zwölf ausgewählte Hauptwerke der Staatlichen Ethnographischen Sammlungen je einem Gemälde der Alten Meister zugeordnet, so dass sich interessante Paare ergeben. Die Zusammenführung von Meisterwerken der europäischen Malerei des 15. bis 18. Jahrhunderts mit Bildwerken, Kultobjekten, Geräten und Instrumenten unterschiedlicher Kulturen Afrikas, Asiens und Amerikas verspricht neue, unerwartete Sichtweisen sowohl auf die bekannten Meisterwerke des Abendlandes als auch auf die meist einem religiösen oder kultischen Zusammenhang entstammenden Objekte außereuropäischer Kulturen. Dabei offenbaren sich die überkulturellen Konstanten desmenschlichen Daseins, die unabhängig von Zeit und Ort allgemeine Gültigkeit besitzen. So spielt beispielsweise der Kampf von Gut gegen Böse in der Mythologie aller Kulturen eine zentrale Rolle. In der christlichen Überlieferung wird am Ende aller Tage ein gewaltiger Kampf ausgefochten. Das Gemälde Tintorettos „Kampf des Erzengels mit dem Satan“ illustriert mit der Vertreibung eines Ungeheuers aus dem Himmel den endgültigen Triumph über den Teufel. Ihm gegenübergestellt wird die indonesische Wächterskulptur „Affenkrieger". Der Glaube, dass er dämonische Mächte abwehren könne, ist bis heute auf Bali lebendig.
In der Begegnung der Werke erwarten den Besucher Erkenntnisse zu Parallelen in Inhalt und Formensprache, aber auch Fragen zur Spiritualität und kultischen Qualität von Kunstwerken, die sich von ihrem ursprünglichen Wirkungszusammenhang längst entfernt haben. Zugleich werden die gestalterische Kraft und Intensität und der künstlerische Reichtum der ethnographischen Objekte in der bisher ungewohnten Umgebung ganz neu zur Geltung kommen.